Café con Leche bietet gezielte Bildungs- und Fußballprogramme in den sozialen Brennpunktvierteln Caballona und Lechería – sogenannten Bateys – in der unmittelbaren Umgebung Santo Domingos,
der Hauptstadt der Dominikanischen Republik an.

 

Erfahre hier mehr über die Hintergründe der Dominikanischen Republik, ihrer Bewohner und mit welchen Herausforderungen sich die Kinder und jungen Menschen, die Café con Leche erreichen möchte, täglich auseinandersetzen müssen.


Die Dominikanische Republik, so wie viele Länder Lateinamerikas, weist abseits der vorwiegend von Besuchern aus Europa und Nordamerika aufgesuchten Touristengebiete nach wie vor für viele Bewohner schlechte Lebensbedingungen auf. Dies impliziert die folgenden Probleme eines solchen Staates: während wenige sehr wohlhabende Familien über die Hälfte des Landes und fast 40% des Bruttoinlandsprodukts verfügen, befindet sich der Großteil der übrigen Population in einer prekären Situation. Obwohl die offiziell angegebenen Arbeitslosenzahlen vergleichsweise niedrig sind, muss sich ein Großteil der Bevölkerung oftmals über Gelegenheitsarbeiten finanzieren. Diese sozialen Konflikte werden durch den politischen Grundkonflikt mit dem im Westen der Insel Hispaniola gelegenen Haiti noch verschärft. Die Wurzeln dieser gesellschaftlichen Spannungen gehen zurück bis zur Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik von seinem Nachbarland im Jahr 1844.

 

Besonders Großgrundbesitzer der dominikanischen Zuckerplantagen griffen in den letzten beiden Jahrhunderten immer wieder auf die billige Arbeitskraft haitianischer Geflüchteter zurück, die ihrerseits ihr Land verließen, um in der Dominikanischen Republik arbeiten zu können. Dominikanischen Angaben zufolge lag die Zahl dieser illegal im Land lebenden Haitianer*innen 2013 bei knapp 670.000. Örtliche Nichtregierungsorganisationen gehen von weit höheren Zahlen aus.

 

Durch diese historisch bedingten Tatsachen hat die haitianische Bevölkerungsgruppe bis heute einen sehr schweren sozialen und politischen Stand in der Dominikanischen Republik. Bestenfalls von der Regierung ignoriert, viel häufiger aber ungewollt, leben nunmehr die Nachfahren der ehemaligen Plantagenarbeiter*innen dort, wo sich die großen Zuckerplantagen befanden – an den Stadträndern Santo Domingos –, in prekären Zuständen der sogenannten "Bateys".

 

Die haitianische Bevölkerung hat heutzutage mit mehreren Grundproblemen zu kämpfen:

 

Bildungsdefizite und Mangel an Aufklärung:

Obwohl vereinzelte staatliche Schulen in den Bateys existieren, ist die Grundversorgung für Bildung nicht gesichert. Viele Kinder lernen nicht Lesen und Schreiben, da die Schulpflicht nicht kontrolliert wird und viele Kinder und Jugendliche oftmals auch zum Erwerb ihrer Familien beitragen müssen. Somit absolvieren schätzungsweise 60% aller Kinder die Grundschule. Durch die mangelnde (Schul-)Bildung der Jugendlichen und in Anbetracht gesellschaftlicher Tabu-Themen fehlt es oft an Aufklärung über Sexualität und Drogen im Kindesalter: Junge Mädchen werden häufig schon im Alter zwischen 12-18 schwanger und brechen daraufhin die Schule ab. Die AIDS-Rate der Jugendlichen wurde zwar noch nicht empirisch ermittelt, es wird jedoch angenommen, dass sie sich stetig erhöht. Der Konsum von Drogen sowie das Schnüffeln von Industrie-Klebstoff ist täglich zu beobachten.

 

Arbeitslosigkeit und Staatenlosigkeit:

Viele Haitianer*innen besitzen keine persönlichen Dokumente, wie eine Geburtsurkunde oder einen Personalausweis. Der dominikanische Staat weigert sich immer mehr auf dominikanischen Boden geborene Nachfahren haitianischer Geflüchtete anzuerkennen. Sie sind damit staatenlos, wodurch ihnen einerseits das Recht auf die schon ohnehin spärlichen Sozialleistungen des dominikanischen Staates und andererseits Chancen, einen Job zu erlangen, versagt bleiben. Durch fehlende Ausweisdokumente wird somit nicht selten Zuflucht bei inoffiziellen Tätigkeiten oder am Schwarzmarkt gesucht, was die gesellschaftlichen Differenzen noch weiter auseinander gehen lässt.

 

Ethnische Ressentiments und Rassismus:

In jüngster Vergangenheit hat sich durch das verheerende Erdbeben in Haiti im Sommer 2010 die Situation der haitianischen Bevölkerungsgruppe noch einmal drastisch verschlechtert. Viele Geflüchtete kamen über die Grenze in die Dominikanische Republik und suchen vermehrt Arbeit und Unterkunft, was auf großes Missfallen des Dominikanischen Staates und der Bevölkerung stößt. Haitianer*innen leiden darüber hinaus aufgrund ihrer afrikanischen Herkunft unter Rassismus und Vorurteilen der dominikanischen Bevölkerung. 

 

Infrastrukturelle Probleme:

Die in den Bateys lebende haitianische Bevölkerung ist mangelhaft an Infrastruktur, wie Strom- und Wasserversorgung angeschlossen. Durch die unzureichende Infrastruktur ist ein Arbeiten in anderen Stadtteilen Santo Domingos nur sehr schwierig möglich. Vor allem der Wassermangel bedingt viele Alltagsschwierigkeiten. Die daraus resultierenden schlechten Hygienemöglichkeiten und mangelnde Trinkwasserversorgung begünstigt besonders Ansteckungskrankheiten, wie der Ausbruch der Cholera im Jahr 2010 auf Hispaniola gezeigt hat.